Abfindung
Kurz: Einmalzahlung für den Verlust des Arbeitsplatzes. Seit 2025 behält der Arbeitgeber die volle Lohnsteuer ein, die Fünftelung folgt mit der Steuererklärung.
Definition und Bedeutung
Eine Abfindung ist eine einmalige Geldzahlung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer als Ausgleich für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Für den Abfindungsanspruch bei betriebsbedingter Kündigung lautet § 1a Abs. 2 KSchG: „Die Höhe der Abfindung beträgt 0,5 Monatsverdienste für jedes Jahr des Bestehens des Arbeitsverhältnisses.“ Im Aufhebungsvertrag ist die Höhe Verhandlungssache.
Für die Lohnsteuer ist die Abfindung ein sonstiger Bezug. § 39b Abs. 3 EStG endet mit dem Satz: „Der Unterschiedsbetrag zwischen den ermittelten Jahreslohnsteuerbeträgen ist die Lohnsteuer, die vom sonstigen Bezug einzubehalten ist.“ Eine Fünftelung nennt der Absatz seit 2025 nicht mehr. Die ermäßigte Besteuerung nach § 34 EStG setzt das Finanzamt in der Veranlagung fest.
Rechtsgrundlage: § 1a KSchG, § 39b Abs. 3 EStG, § 34 EStG
Was das Gesetz sagt
Die ermäßigte Besteuerung gilt für außerordentliche Einkünfte. Dazu zählt § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG „Entschädigungen im Sinne des § 24 Nummer 1“. Wie die Steuer darauf berechnet wird, regelt § 34 Abs. 1 Satz 2 EStG:
„Die für die außerordentlichen Einkünfte anzusetzende Einkommensteuer beträgt das Fünffache des Unterschiedsbetrags zwischen der Einkommensteuer für das um diese Einkünfte verminderte zu versteuernde Einkommen (verbleibendes zu versteuerndes Einkommen) und der Einkommensteuer für das verbleibende zu versteuernde Einkommen zuzüglich eines Fünftels dieser Einkünfte.“§ 34 Abs. 1 Satz 2 EStG
Das ist die Fünftelregelung. Dabei wird ein Fünftel der Abfindung dem übrigen Einkommen zugeschlagen und die dadurch entstehende Mehrsteuer verfünffacht, so greift die Progression weniger stark. Für das Arbeitslosengeld ist eine andere Vorschrift maßgeblich, § 158 Abs. 1 Satz 1 SGB III:
„Hat die oder der Arbeitslose wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Abfindung, Entschädigung oder ähnliche Leistung (Entlassungsentschädigung) erhalten oder zu beanspruchen und ist das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung einer der ordentlichen Kündigungsfrist des Arbeitgebers entsprechenden Frist beendet worden, so ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld von dem Ende des Arbeitsverhältnisses an bis zu dem Tag, an dem das Arbeitsverhältnis bei Einhaltung dieser Frist geendet hätte.“§ 158 Abs. 1 Satz 1 SGB III
Nach Absatz 2 Satz 1 derselben Vorschrift ruht der Anspruch „längstens ein Jahr“. Die Kündigungsfrist spielt deshalb auch bei einem Aufhebungsvertrag eine Rolle.
Beispiel 2026
Betriebsbedingte Kündigung mit dem Hinweis nach § 1a KSchG. Der Monatsverdienst liegt bei 4.000 €, das Arbeitsverhältnis besteht seit sieben Jahren und acht Monaten.
Die Aufrundung auf volle Jahre steht nur in § 1a Abs. 2 KSchG. § 622 Abs. 2 BGB staffelt die Kündigungsfrist nach dem tatsächlichen Bestand, nach sieben Jahren und acht Monaten greift deshalb Nummer 2 mit zwei Monaten und nicht Nummer 3 mit drei Monaten. In der Abrechnung trennen wir die echte Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes von Urlaubsabgeltung und Gehalt bis zum Austritt. Die Abfindung rechnen wir beitragsfrei ab, Urlaubsabgeltung und Gehalt laufen als Arbeitsentgelt über die normale Abrechnung. Die Lohnsteuer auf die Abfindung hängt von den persönlichen Merkmalen ab und ist hier nicht ausgerechnet.
Häufige Fragen
Muss der Arbeitgeber eine Abfindung zahlen?
Kurz: § 1a KSchG regelt einen Anspruch für einen bestimmten Fall, die betriebsbedingte Kündigung mit Hinweis in der Kündigungserklärung, wenn keine Klage erhoben wird. Meist entsteht eine Abfindung durch Vereinbarung, zum Beispiel im Aufhebungsvertrag, in einem Sozialplan oder in einem gerichtlichen Vergleich.
Wie hoch ist die Abfindung nach § 1a KSchG?
Kurz: 0,5 Monatsverdienste für jedes Jahr des Bestehens des Arbeitsverhältnisses. Ein Zeitraum von mehr als sechs Monaten wird nach § 1a Abs. 2 Satz 3 KSchG auf ein volles Jahr aufgerundet.
Wer wendet die Fünftelregelung an?
Kurz: Seit 2025 das Finanzamt in der Einkommensteuerveranlagung. Der Arbeitgeber behält beim Lohnsteuerabzug die Lohnsteuer nach § 39b Abs. 3 EStG ohne Fünftelung ein.
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