Geht es um HR und nicht um Lohn? Dafür gibt es HRklar, dasselbe Team. Nur HR? Macht HRklar. Zu HRklar (öffnet in neuem Tab)

Mutterschutzlohn berechnen 2026: §18 MuSchG, Durchschnittslohn & U2-Erstattung

Kurzfassung

Den Mutterschutzlohn berechnest du nach §18 MuSchG aus dem Durchschnittslohn der letzten drei abgerechneten Kalendermonate vor der Schwangerschaft. Über die U2-Umlage nach dem AAG bekommst du ihn erstattet. Das Mutterschaftsgeld ist eine andere Leistung: Es zahlt die Krankenkasse während der Schutzfrist.

Eine Mitarbeiterin meldet sich mit einem ärztlichen Attest: Beschäftigungsverbot wegen Schwangerschaft. Ab sofort darf sie nicht mehr arbeiten, das Gehalt läuft aber weiter. Du musst den Mutterschutzlohn berechnen und das Geld über die Umlage zurückholen.

Viele Betriebe verwechseln Mutterschutzlohn und Mutterschaftsgeld. Die beiden Leistungen zahlen verschiedene Stellen zu verschiedenen Zeitpunkten. Wer sie verwechselt, zahlt zu viel aus eigener Tasche oder stellt Erstattungsanträge zu spät.

1. Was ist Mutterschutzlohn? §18 MuSchG erklärt

Mutterschutzlohn ist das Entgelt, das eine schwangere Arbeitnehmerin erhält, obwohl sie wegen eines Beschäftigungsverbots nicht arbeitet. Rechtsgrundlage ist §18 MuSchG (Mutterschutzgesetz). Der Anspruch entsteht immer dann, wenn ein Beschäftigungsverbot greift und die Mitarbeiterin deshalb die Arbeit ganz oder teilweise einstellen muss.

Mit Entgeltfortzahlung bei Krankheit hat der Mutterschutzlohn nichts zu tun. Die Frau ist nicht krank. Sie darf aus Schutzgründen bestimmte Tätigkeiten nicht ausüben, und du musst das Gehalt trotzdem weiterzahlen.

Zeitlicher Ablauf: Mutterschutzlohn fällt typischerweise vor der gesetzlichen Schutzfrist an, also während der Schwangerschaft, wenn ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen wurde. Sobald die Schutzfrist 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt, wechselt die Leistung: Die Krankenkasse zahlt Mutterschaftsgeld, der Arbeitgeber zahlt nur noch den Zuschuss nach §20 MuSchG.

2. Generelles und individuelles Beschäftigungsverbot

Es gibt zwei Arten von Beschäftigungsverboten, die den Mutterschutzlohn auslösen:

Generelles Beschäftigungsverbot (§13 MuSchG)

Bestimmte Tätigkeiten sind für schwangere Frauen grundsätzlich verboten, unabhängig vom individuellen Gesundheitszustand. Dazu gehören:

Individuelles Beschäftigungsverbot (§16 MuSchG)

Ein Arzt oder eine Hebamme stellt fest, dass Gesundheit oder Leben der Frau oder des Kindes bei Fortführung der Arbeit gefährdet wären. Das Attest ist für den Arbeitgeber bindend. Er kann die Mitarbeiterin nicht zur Arbeit verpflichten und darf das Attest nicht inhaltlich anzweifeln.

Arbeitgeberpflicht vor dem Beschäftigungsverbot: Droht ein generelles Verbot, musst du zuerst prüfen, ob die Mitarbeiterin auf einen anderen, zulässigen Arbeitsplatz umgesetzt werden kann (§13 Abs. 1 MuSchG). Erst wenn das nicht möglich oder zumutbar ist, greifen das Beschäftigungsverbot und damit der Mutterschutzlohn.

3. Mutterschutzlohn berechnen: Durchschnittslohn der letzten drei Monate

Maßgeblich ist nach §18 MuSchG „das durchschnittliche Arbeitsentgelt der letzten drei abgerechneten Kalendermonate vor dem Eintritt der Schwangerschaft“. Der Beginn des Beschäftigungsverbots spielt für den Zeitraum keine Rolle.

Was zählt zum Berechnungszeitraum?

Was zählt nicht?

Praxisbeispiel: Eine Mitarbeiterin verdient 2.800 € Grundgehalt, bekommt durchschnittlich 200 € Schichtzulage pro Monat und erhielt einmalig 1.200 € Weihnachtsgeld. Berechnungsbasis: 2.800 + 200 = 3.000 € pro Monat. Das Weihnachtsgeld bleibt als Einmalzahlung außen vor. Dieser Betrag wird für jeden Monat des Beschäftigungsverbots als Mutterschutzlohn ausgezahlt.

Tagesentgelt berechnen

Für die taggenaue Abrechnung wird der Monatsdurchschnitt durch die Anzahl der Arbeitstage des Monats geteilt. Bei einem 5-Tage-Arbeitstakt: 3.000 € / 21 Arbeitstage = 142,86 € pro Tag. Wer nur an bestimmten Tagen des Monats im Beschäftigungsverbot ist, bekommt entsprechend nur für diese Tage den Mutterschutzlohn.

4. Mutterschutzlohn vs. Mutterschaftsgeld: die Unterschiede

Die beiden Leistungen unterscheiden sich darin, wer zahlt, wann und wie viel.

Kriterium Mutterschutzlohn Mutterschaftsgeld
Rechtsgrundlage §18 MuSchG §19 MuSchG, §24i SGB V
Wer zahlt? Arbeitgeber Gesetzliche Krankenkasse
Zeitraum Während des Beschäftigungsverbots (vor der Schutzfrist) Während der Schutzfrist: 6 Wochen vor bis 8 Wochen nach Geburt (Mehrlings-/Frühgeburt: 12 Wochen)
Höhe 100 % des Durchschnittsverdiensts (letzte drei abgerechnete Kalendermonate vor der Schwangerschaft) Max. 13 €/Kalendertag von der KK
AG-Zuschuss? Nein, AG zahlt den vollen Mutterschutzlohn Ja, AG zahlt Differenz zum Nettolohn nach §20 MuSchG
Erstattung AG Über U2-Umlage (AAG), 100 % AG-Zuschuss ebenfalls über U2 erstattet
SV-Beiträge AN- und AG-Anteil wie beim Gehalt, die AG-Anteile erstattet U2 Keine: Mitgliedschaft beitragsfrei (§224 SGB V), Zuschuss kein beitragspflichtiges Entgelt (§23c SGB IV)

5. Was gilt während der Schutzfrist?

Ab dem Tag, an dem die gesetzliche Schutzfrist beginnt (6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin), zahlen andere Stellen:

Ein Beispiel: Verdient die Mitarbeiterin netto 2.300 € im Monat (= 76,67 € / Tag), zahlt die KK 13 €/Tag, der AG zahlt 63,67 €/Tag als Zuschuss. Der Zuschuss ist für die Mitarbeiterin steuerfrei nach §3 Nr. 1 Buchst. d EStG und wird ebenfalls über U2 erstattet.

Brauchst du eine HR-Vertretung für die Zeit des Mutterschutzes, lies unseren Leitfaden zur Elternzeitvertretung im HR-Bereich.

Höherer Verdienst: Die Krankenkasse zahlt als Mutterschaftsgeld den Nettoverdienst, nach §24i Abs. 2 SGB V aber „höchstens 13 Euro für den Kalendertag“. Wer mehr verdient, bekommt keinen höheren KK-Anteil. Der AG-Zuschuss steigt entsprechend, die U2-Erstattung deckt ihn ab.

6. U2-Erstattung über das AAG

Über das U2-Verfahren bekommst du als Arbeitgeber das Geld zurück. Anders als die U1-Umlage (Krankheitsfall, nur für Betriebe bis 30 MA) gilt das U2-Verfahren für alle Arbeitgeber, unabhängig von der Betriebsgröße.

Was wird erstattet?

Wie wird der Antrag gestellt?

Den Erstattungsantrag stellst du bei der Krankenkasse der Arbeitnehmerin, nicht bei der eigenen Betriebskasse. Die meisten Kassen bieten digitale Antragsportale. Du brauchst:

Erstattungssatz: Nach §1 Abs. 2 AAG erstatten die Krankenkassen die U2-Aufwendungen „in vollem Umfang“. Kürzen darf die Satzung nach §9 Abs. 2 AAG nur die U1-Erstattung. Für die Arbeitgeberanteile auf den Mutterschutzlohn kann sie eine Pauschale vorsehen. Stell den Antrag zeitnah, der Anspruch verjährt nach 4 Jahren.

SV-Beiträge während des Beschäftigungsverbots

Während des Mutterschutzlohns läuft die Sozialversicherungspflicht weiter. Das AAG nennt den Mutterschutzlohn „das vom Arbeitgeber nach § 18 des Mutterschutzgesetzes bei Beschäftigungsverboten gezahlte Arbeitsentgelt“. Die Beiträge teilen sich deshalb wie beim Gehalt: Die Mitarbeiterin trägt ihren Arbeitnehmeranteil, du deinen Arbeitgeberanteil. Über U2 erstattet die Krankenkasse den Mutterschutzlohn und die Arbeitgeberanteile.

7. Sonderfall: Mitarbeiterin privat versichert (PKV)

Ist die Mitarbeiterin privat krankenversichert, gelten andere Regeln für die Schutzfrist:

Die Schutzfrist dauert im Regelfall 14 Wochen (98 Tage). Bei einem Nettolohn von 2.200 € (= 73,33 €/Tag) zahlt der Arbeitgeber 60,33 €/Tag, für 98 Tage also rund 5.910 €. Diese Aufwendungen werden ebenfalls über U2 erstattet. Die Lücke zwischen 13 € pro Tag und den 210 € vom BAS trägt die Mitarbeiterin selbst.

8. Was Arbeitgeber dokumentieren müssen

Ohne Dokumentation gibt es keine Erstattung. Du brauchst:

Mutterschutzlohn korrekt abrechnen und vollständig erstatten lassen

Falsch berechneter Mutterschutzlohn oder versäumte U2-Anträge kosten Geld. Wir übernehmen die Abrechnung und stellen die Erstattungsanträge vollständig und fristgerecht.

30-min-Gespräch vereinbaren

9. Häufige Fragen (FAQ)

Mutterschutzlohn zahlt der Arbeitgeber während eines Beschäftigungsverbots in der Schwangerschaft, also vor der Schutzfrist. Mutterschaftsgeld zahlt die gesetzliche Krankenkasse während der Schutzfrist (6 Wochen vor bis 8 Wochen nach der Geburt), maximal 13 Euro pro Kalendertag. Der AG zahlt zusätzlich den Zuschuss nach §20 MuSchG bis zur Höhe des Nettolohns.
Ausgangspunkt ist das durchschnittliche Arbeitsentgelt der letzten drei abgerechneten Kalendermonate vor dem Eintritt der Schwangerschaft. Dazu zählen Grundgehalt und regelmäßige Zulagen. Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld bleiben nach §21 Abs. 2 MuSchG außen vor. Daraus ergibt sich der monatliche oder tägliche Durchschnittsverdienst, den du für die Dauer des Verbots zahlst.
Ja, vollständig über das U2-Umlageverfahren nach dem AAG. Das U2-Verfahren gilt für alle Arbeitgeber, nicht nur für kleine Betriebe. Erstattet werden der gezahlte Mutterschutzlohn, die AG-Anteile zur SV sowie der AG-Zuschuss während der Schutzfrist. Der Antrag ist bei der Krankenkasse der Mitarbeiterin zu stellen. Verjährungsfrist: 4 Jahre.
PKV-versicherte Frauen bekommen kein Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse, sondern nur eine Einmalzahlung von maximal 210 Euro vom Bundesamt für Soziale Sicherung für die gesamte Schutzfrist. Der AG-Zuschuss nach §20 MuSchG berechnet sich wie bei gesetzlich Versicherten als Differenz zwischen 13 Euro und dem kalendertäglichen Nettoverdienst und wird über U2 erstattet. Die Lücke zwischen 13 Euro pro Tag und den 210 Euro trägt die Mitarbeiterin selbst.
Nein. Ein ärztliches Attest, das ein individuelles Beschäftigungsverbot nach §16 MuSchG begründet, ist für den Arbeitgeber bindend. Er darf die Mitarbeiterin nicht zur Arbeit verpflichten und kann das Zeugnis nicht inhaltlich anfechten. Das Risiko eines unrechtmäßigen Einsatzes trotz Verbot trägt allein der Arbeitgeber.
Melanie Schulze
Melanie Schulze HR- & Payroll Managerin · Lohnklar

Melanie Schulze ist HR- & Payroll Managerin bei Lohnklar. Sie arbeitet zu Arbeitsrecht, Mutterschutz, Personalentwicklung und HR-Prozessen in KMU.

Der Kalender kommt von Cal.com

Erst wenn du ihn lädst, verbindet sich dein Browser mit Cal.com (Cal.com, Inc., USA). Dabei bekommt Cal.com zum Beispiel deine IP-Adresse und setzt eigene Cookies, es gelten dann die Datenschutzbestimmungen von Cal.com. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Lieber in einem neuen Tab