Saison-Kurzarbeitergeld nach Paragraf 101 SGB III hält Stammbelegschaften im Bau, Dachdecker-, Gerüstbau und GaLaBau über den Winter. In der Schlechtwetterzeit vom 1. Dezember bis 31. März ersetzt die Agentur für Arbeit 60 Prozent (mit Kind 67 Prozent) der Netto-Entgeltdifferenz. Dazu kommen Zuschuss-Wintergeld, Mehraufwands-Wintergeld und die Erstattung der Sozialbeiträge aus der Winterbeschäftigungsumlage. Die Umlage ist 2026 ausnahmsweise auf 1,0 Prozent halbiert.
Frost, Dauerregen oder Schnee stoppen jeden Winter die Arbeit auf Baustellen. Lange entließen Betriebe ihre Leute deshalb im November und stellten im Frühjahr neu ein. Das kostet Einarbeitung und oft die besten Fachkräfte, die nicht ein halbes Jahr auf Wiedereinstellung warten. Mit dem Saison-Kurzarbeitergeld (Saison-KUG) behältst du die Belegschaft und bekommst einen Teil der Lohnkosten für ausgefallene Stunden ersetzt.
Trotzdem wiederholen sich jedes Jahr dieselben Fehler: Der Ausfall wird zu spät angezeigt, die Wetterlage fehlt in der Dokumentation, die Umlage stimmt nicht, oder die Abrechnungsfrist verstreicht. Der Artikel richtet sich an Geschäftsführung und Lohnbüro von Bau- und GaLaBau-Betrieben. Er zeigt, wer Saison-KUG bekommt, wie viel es bringt, welche Leistungen dazukommen und wo Betriebe Geld verlieren.
1. Was ist Saison-KUG? Die rechtliche Grundlage
Saison-Kurzarbeitergeld ist eine Sonderform des Kurzarbeitergeldes, geregelt in Paragraf 101 SGB III. Es wurde 2006 eingeführt, um die Saisonalität in witterungsabhängigen Branchen abzufedern und Stammbelegschaften über den Winter zu halten. Die Agentur für Arbeit zahlt es für witterungsbedingte oder wirtschaftliche Ausfälle während der sogenannten Schlechtwetterzeit.
Die Schlechtwetterzeit läuft im Bauhauptgewerbe vom 1. Dezember bis zum 31. März. In dieser Periode können berechtigte Betriebe Ausfallstunden melden, und die Agentur für Arbeit ersetzt den Mitarbeitern 60 Prozent (Beschäftigte ohne Kind) beziehungsweise 67 Prozent (Beschäftigte mit mindestens einem Kind im Sinne des Steuerrechts) der pauschalierten Netto-Entgeltdifferenz. Das ist derselbe Leistungssatz wie beim normalen Kurzarbeitergeld.
Vom konjunkturellen KUG unterscheidet es sich im Anlass. Saison-KUG setzt voraus, dass der Arbeitsausfall überwiegend branchenüblich oder saisonbedingt ist. Ein Arbeitsausfall ist nach Paragraf 101 SGB III erheblich, wenn er auf witterungsbedingten oder wirtschaftlichen Gründen oder einem unabwendbaren Ereignis beruht, nur vorübergehend und nicht vermeidbar ist. Als nicht vermeidbar gilt ausdrücklich auch ein Ausfall, der branchen-, betriebs- oder saisonüblich ist. Über diese Regel fallen Frost und Dauerregen unter das Saison-KUG.
Begriff: Im Sprachgebrauch heißt das Saison-KUG bei witterungsbedingten Ausfällen oft weiterhin Schlechtwettergeld. Rechtlich handelt es sich seit 2006 um eine einheitliche Leistung nach Paragraf 101 SGB III, die durch ergänzende Leistungen nach Paragraf 102 SGB III flankiert wird.
2. Welche Branchen haben Anspruch?
Saison-KUG bekommen nur bestimmte Branchen. Ein Betrieb des Baugewerbes im Sinne des Gesetzes ist ein Betrieb, der gewerblich überwiegend Bauleistungen auf dem Baumarkt erbringt. Anspruchsberechtigt sind Betriebe, die unter einen der folgenden Wirtschaftszweige und Tarifverträge fallen:
| Branche | Maßgeblicher Tarifvertrag | Schlechtwetterzeit |
|---|---|---|
| Bauhauptgewerbe | BRTV-Bau | 1. Dez. bis 31. März |
| Dachdeckerhandwerk | RTV Dachdeckerhandwerk | 1. Dez. bis 31. März |
| Gerüstbaugewerbe | RTV Gerüstbauerhandwerk | 1. Dez. bis 31. März |
| Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (GaLaBau) | BRTV GaLaBau | 1. Dez. bis 31. März |
Die Schlechtwetterzeit beginnt einheitlich am 1. Dezember und endet am 31. März. Das gilt für das Bauhauptgewerbe genauso wie für Dachdecker-, Gerüstbau und GaLaBau. Fallen schon im November Stunden wegen Frost oder Dauerregen aus, bekommst du dafür kein Saison-KUG. Plane die erste Anzeige auf den Dezemberbeginn.
Achtung bei Mischbetrieben: Betriebe, die teils im Baunebengewerbe oder in einer nicht erfassten Tätigkeit arbeiten, müssen prüfen, ob der überwiegende Betriebszweck dem erfassten Baugewerbe zuzuordnen ist. Diese Zuordnung entscheidet über den gesamten Anspruch. Bei Unklarheit hilft eine schriftliche Anfrage beim zuständigen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit vor Saisonbeginn, dann ist die Einordnung dokumentiert.
3. Die vier Bausteine: Saison-KUG, Wintergeld und SV-Erstattung
Zum Saison-KUG gehören mehrere Leistungen. Rufst du nur das Saison-KUG selbst ab, verschenkst du Geld für deine Leute und die Beitragserstattung für den Betrieb. Die ergänzenden Leistungen regelt Paragraf 102 SGB III.
Saison-Kurzarbeitergeld (Paragraf 101 SGB III)
Die Kernleistung ersetzt 60 beziehungsweise 67 Prozent der Netto-Entgeltdifferenz für die Stunden, die wegen Witterung oder wirtschaftlicher Gründe ausfallen. Voraussetzung ist, dass zuvor zumutbare Arbeitszeitguthaben eingesetzt wurden, um den Ausfall zu überbrücken.
Zuschuss-Wintergeld (ZWG)
Löst der Betrieb Arbeitszeitguthaben auf, um Ausfallstunden zu überbrücken und dadurch Saison-KUG zu vermeiden, gibt es für jede so eingebrachte Stunde bis zu 2,50 Euro Zuschuss-Wintergeld. Das ZWG ist lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Es belohnt Guthaben, die im Sommer aufgebaut und im Winter abgebaut werden. Der Arbeitgeber zahlt es aus und bekommt es erstattet.
Mehraufwands-Wintergeld (MWG)
Arbeitnehmer, die in der Schlechtwetterzeit trotz Kälte auf der Baustelle arbeiten, erhalten 1,00 Euro je geleisteter Arbeitsstunde als Mehraufwands-Wintergeld, ebenfalls steuer- und SV-frei. Berücksichtigungsfähig sind im Dezember bis zu 90 Arbeitsstunden, im Januar und Februar jeweils bis zu 180 Arbeitsstunden. Mit dem MWG lohnt sich für die Beschäftigten die Arbeit bei Frost.
Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge
Diesen Posten übersehen Betriebe oft: Während des Saison-KUG-Bezugs laufen die Sozialversicherungsbeiträge auf das fiktive Entgelt für die Ausfallstunden weiter, und zwar zunächst zu Lasten des Arbeitgebers. Der Betrieb bekommt sie aus der Winterbeschäftigungsumlage erstattet, dafür zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Umlage das ganze Jahr über. Wirtschaftlich ist das der größte Unterschied zum konjunkturellen KUG, bei dem die SV-Beiträge auf Ausfallstunden anders behandelt werden.
Praxisnutzen: Bei einem Betrieb mit 15 gewerblichen Mitarbeitern kommen Zuschuss- und Mehraufwands-Wintergeld plus Beitragserstattung über eine harte Wintersaison schnell auf vier- bis fünfstellige Beträge. Rufst du nur das Saison-KUG ab, bleibt dieses Geld liegen.
4. Die Winterbeschäftigungsumlage 2026
Die ergänzenden Leistungen und die Beitragserstattung werden über die Winterbeschäftigungsumlage (WBU) mitfinanziert. Arbeitgeber führen sie monatlich gemeinsam mit den Sozialkassenbeiträgen an die SOKA-BAU ab. Bemessungsgrundlage ist die beitragspflichtige Bruttolohnsumme der gewerblichen Arbeitnehmer.
Für 2026 und 2027 gilt im Bauhauptgewerbe eine Besonderheit: Die Umlage ist befristet auf 1,0 Prozent halbiert. Die Aufteilung:
| Umlageanteil 2026 und 2027 (Bauhauptgewerbe) | Satz | Wer trägt? |
|---|---|---|
| Arbeitgeberanteil WBU | 0,6 % | Arbeitgeber trägt allein |
| Arbeitnehmeranteil WBU | 0,4 % | AN-Anteil, AG führt ab |
| Gesamt-WBU 2026 und 2027 | 1,0 % | der gewerblichen Bruttolohnsumme |
Die Absenkung steht in § 3a WinterbeschV: „In der Zeit vom 1. Januar 2026 bis zum 31. Dezember 2027 wird die Umlage nach § 3 Absatz 2 Nummer 1 anteilig durch die Arbeitgeber in Höhe von 0,6 Prozent und durch die Arbeitnehmer in Höhe von 0,4 Prozent aufgebracht.“ Ab dem 1. Januar 2028 greift wieder der reguläre Satz nach § 3 WinterbeschV von 2 Prozent (1,2 Prozent Arbeitgeber, 0,8 Prozent Arbeitnehmer). Im Dachdecker- und Gerüstbaugewerbe gelten eigene Umlagesätze, die über die jeweilige Sozialkasse zu erfragen sind. Plane ab 2028 wieder mit der vollen Umlage.
Führst du die WBU nicht korrekt und fristgerecht ab, gefährdest du den Anspruch auf die ergänzenden Leistungen und die Beitragserstattung und riskierst Nachforderungen der Sozialkasse. Ohne Umlage gibt es keine der Leistungen.
5. Voraussetzungen für den Bezug im Überblick
Schnee allein reicht nicht. Saison-KUG gibt es nur, wenn alle Bedingungen erfüllt sind:
- Branche und Tarifvertrag: Der Betrieb gehört zu einer anspruchsberechtigten Branche und unterliegt dem einschlägigen Tarifvertrag.
- Umlage abgeführt: Die Winterbeschäftigungsumlage wird laufend und korrekt an die Sozialkasse gezahlt.
- Erheblicher Arbeitsausfall: Es liegt ein witterungsbedingter oder wirtschaftlicher Ausfall vor, der vorübergehend und nicht vermeidbar ist.
- Guthaben vorrangig: Zumutbare Arbeitszeitguthaben sind vorrangig einzusetzen, soweit ein Arbeitszeitkonto besteht.
- Anzeige erfolgt: Der Arbeitsausfall ist bei der zuständigen Agentur für Arbeit angezeigt worden.
- SV-pflichtige Beschäftigung: Die betroffenen Arbeitnehmer stehen in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, das fortbesteht. Minijobber fallen heraus.
Die betrieblichen und persönlichen Voraussetzungen entsprechen denen des allgemeinen Kurzarbeitergeldes. Persönlich anspruchsberechtigt ist, wer nach Beginn des Arbeitsausfalls eine versicherungspflichtige Beschäftigung fortsetzt und nicht gekündigt ist. Eine Mindestbeschäftigungsdauer oder Wartezeit gibt es nicht, ein erst im November eingestellter Mitarbeiter kann also bereits im Dezember Saison-KUG beziehen.
Hinweis zur Anzeigepflicht: Der Arbeitsausfall muss unverzüglich nach Eintritt angezeigt werden. Unverzüglich heißt in der Praxis am selben oder am nächsten Werktag. Zeigst du zu spät an, erkennt die Agentur für Arbeit Stunden unter Umständen nicht an. Bewährt hat sich, den Ausfall früh am Morgen telefonisch zu melden und die schriftliche oder elektronische Anzeige noch am selben Tag nachzureichen.
6. Berechnung: 60 bzw. 67 Prozent der Nettodifferenz
Das Saison-KUG berechnet sich nach denselben Regeln wie das konjunkturelle KUG. Grundlage ist die Differenz zwischen dem Sollentgelt (was der Mitarbeiter ohne Ausfall verdient hätte) und dem Ist-Entgelt (was er in dem Monat verdient hat). Auf diese Differenz wird ein pauschaliertes Nettoentgelt nach den amtlichen Tabellen der Agentur für Arbeit angewendet, davon erhält der Beschäftigte 60 beziehungsweise 67 Prozent.
Beispiel zur Größenordnung
Ein Maurer in Steuerklasse I, kinderlos, hat ein Sollentgelt von 3.200 Euro brutto im Monat. Im Januar fallen 40 von 160 Monatsstunden witterungsbedingt aus, also 25 Prozent. Sein Ist-Entgelt sinkt entsprechend auf rund 2.400 Euro. Die rechnerische Entgeltdifferenz beträgt rund 800 Euro brutto. Das Saison-KUG knüpft an die daraus abgeleitete Nettodifferenz an und beträgt 60 Prozent davon. Den genauen Auszahlungsbetrag bestimmt die KUG-Tabelle der Agentur für Arbeit. Ein eigenes Beispiel auf den Cent würde in die Irre führen, weil das pauschalierte Nettoentgelt nicht linear zum Brutto verläuft.
| Position (Beispielmonat) | Wert |
|---|---|
| Sollentgelt (100 % Soll) | 3.200 Euro |
| Ist-Entgelt (120 von 160 Std.) | ca. 2.400 Euro |
| Rechnerische Bruttodifferenz | ca. 800 Euro |
| Saison-KUG-Satz | 60 % (kinderlos) / 67 % (mit Kind) der Nettodifferenz |
| Auszahlung | nach amtlicher KUG-Tabelle der Agentur für Arbeit |
Wichtig für die Kalkulation: Der Betrieb zahlt die Sozialversicherungsbeiträge für die Ausfallstunden zunächst vor und erhält sie aus der Winterbeschäftigungsumlage erstattet. Beitragsbasis und Erstattungsweg weichen vom konjunkturellen KUG ab. Rechne die erste Saison-Abrechnung deshalb mit der Lohnsoftware oder einem Lohnbüro durch, bevor Routine einkehrt. Kostet dich die Lohnabrechnung ohnehin viel Zeit, lies, wie du die Lohnabrechnung auslagern kannst.
7. Anzeige und Abrechnung bei der Agentur für Arbeit
Die Agentur für Arbeit am Sitz des Betriebs ist zuständig. Der Prozess besteht aus der Anzeige des Arbeitsausfalls und der monatlichen Abrechnung. Für beide gelten eigene, strenge Fristen.
- Anzeige des Arbeitsausfalls: Unverzüglich nach Eintritt des Ausfalls, schriftlich oder elektronisch über den Arbeitgeberservice. Die Anzeige beschreibt Grund und voraussichtlichen Umfang.
- Dokumentation führen: Tägliche Erfassung der ausgefallenen Stunden mit Grund (Frost, Schnee, Dauerregen, Überschwemmung) und Bestätigung durch Polier oder Bauleiter. Bei Witterung gehören Temperatur und Wetterlage in die Aufzeichnung.
- Monatliche Abrechnung: Der Leistungsantrag für den jeweiligen Monat muss innerhalb der gesetzlichen Frist nach Ablauf des Anspruchsmonats eingereicht werden. Versäumte Fristen führen zum Anspruchsverlust.
- Vorleistung und Erstattung: Der Arbeitgeber zahlt Saison-KUG und Wintergeld zunächst an die Beschäftigten aus und erhält die Beträge anschließend von der Agentur für Arbeit beziehungsweise der Sozialkasse erstattet.
- Lohnabrechnung anpassen: Saison-KUG ist lohnsteuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Es muss korrekt in der Lohnabrechnung und der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen werden.
Frist nicht reißen: Der Leistungsantrag für einen Monat muss fristgerecht nach Ablauf des Anspruchszeitraums bei der Agentur für Arbeit sein. Bei dieser Ausschlussfrist hat die Agentur kein Ermessen. Rechnest du zu spät ab, verlierst du die Erstattung für die betroffenen Stunden, auch wenn der Ausfall berechtigt war. Lege dir für die Wintermonate feste interne Stichtage, die deutlich vor dem amtlichen Fristende liegen.
8. Abgrenzung zum konjunkturellen KUG
Fällt die Arbeit wegen fehlendem Material, einem stornierten Auftrag oder einer Auftragsflaute aus, greift das konjunkturelle Kurzarbeitergeld nach Paragraf 95 SGB III. Beide Leistungen haben dasselbe Ziel und unterscheiden sich in Anlass, Finanzierung und Zeitraum.
| Merkmal | Saison-KUG (Paragraf 101) | Konjunkturelles KUG (Paragraf 95) |
|---|---|---|
| Branchen | Bau, Dachdecker-, Gerüstbau, GaLaBau | alle Branchen |
| Zeitraum | nur Schlechtwetterzeit | ganzjährig |
| Finanzierung | Winterbeschäftigungsumlage und BA-Mittel | BA-Beitragsmittel |
| SV-Beiträge auf Ausfall | Erstattung aus der Umlage | keine Erstattung aus einer Umlage |
| Ergänzende Leistungen | Zuschuss- und Mehraufwands-Wintergeld | keine |
| Leistungssatz | 60 % / 67 % | 60 % / 67 % |
Im Baugewerbe kann es Konstellationen geben, in denen sowohl Witterung als auch Auftragsmangel eine Rolle spielen. Dann gilt: Witterungsbedingte Ausfälle während der Schlechtwetterzeit werden vorrangig über das Saison-KUG abgewickelt. Das konjunkturelle KUG kommt für Bau- und GaLaBau-Betriebe vor allem außerhalb der Schlechtwetterzeit oder bei rein wirtschaftlichen Ursachen in Betracht. Kommt dein Betrieb regelmäßig in beide Lagen, lies auch unseren Ratgeber zum Kurzarbeitergeld 2026.
9. Typische Fehler und ihre Folgen
Auf der Baustelle gehen Termine, Wetter und Material vor Papierkram. Daraus entstehen die teuersten Fehler beim Saison-KUG:
- Keine tägliche Wetterdokumentation: Ohne Nachweis der konkreten Witterungslage kann die Agentur für Arbeit Ausfallstunden ablehnen. Temperatur, Niederschlag und Wetterlage gehören jeden Ausfalltag in die Aufzeichnung, am besten mit Bestätigung durch den Bauleiter.
- Anzeige zu spät: Wird der Ausfall nicht unverzüglich gemeldet, erkennt die Agentur die Stunden unter Umständen nicht an. Die Anzeige ist Anspruchsvoraussetzung.
- Umlage versäumt: Führst du die Winterbeschäftigungsumlage nicht laufend ab, gefährdest du die ergänzenden Leistungen und die Beitragserstattung. Eine Nachzahlung ist möglich, aber mit Aufwand und Verzugsfolgen verbunden.
- Abrechnung nach Fristende: Die Frist für den monatlichen Leistungsantrag ist eine Ausschlussfrist. Verspätete Abrechnungen werden abgelehnt, ohne Ausnahme.
- SV-Erstattung nicht abgerufen: Manche Betriebe zahlen die Sozialbeiträge auf die Ausfallstunden vor und holen sich die Erstattung aus der Umlage nie zurück. Dieses Geld steht dem Betrieb zu.
- Wintergeld vergessen: Zuschuss- und Mehraufwands-Wintergeld werden nicht automatisch ausgezahlt. Erfasst du sie im Lohnlauf nicht, entgeht den Beschäftigten eine steuer- und SV-freie Leistung.
Die meisten dieser Fehler sind organisatorisch. Ein Winter-Prozess mit klaren Zuständigkeiten, festen internen Stichtagen und einer eingespielten Lohnsoftware verhindert die meisten davon. Bei komplexen Mischbetrieben oder Streit über die Branchenzuordnung ist eine Abstimmung mit dem Steuerberater oder einem auf Sozialkassenrecht spezialisierten Anwalt sinnvoll.
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11. Fazit
Mit dem Saison-Kurzarbeitergeld bringen Bau-, Dachdecker-, Gerüstbau- und GaLaBau-Betriebe ihre Stammbelegschaft ohne Winterentlassungen durch die kalte Jahreszeit. Die Kernleistung ersetzt 60 beziehungsweise 67 Prozent der Netto-Entgeltdifferenz, ergänzt um Zuschuss-Wintergeld (bis 2,50 Euro je eingebrachter Stunde), Mehraufwands-Wintergeld (1,00 Euro je geleisteter Stunde) und die Erstattung der Sozialbeiträge aus der Winterbeschäftigungsumlage, die 2026 ausnahmsweise nur 1,0 Prozent beträgt.
Ob du das Geld bekommst, hängt an der Organisation: richtige Branchenzuordnung, laufende Umlage, tägliche Dokumentation, unverzügliche Anzeige und fristgerechte Abrechnung. Die meisten Probleme entstehen im Tagesablauf der Baustelle. Setzt du den Winter-Prozess einmal ordentlich auf, bekommen deine Leute und der Betrieb alle Leistungen, die ihnen zustehen.
Dieser Text gibt den Stand vom Juni 2026 wieder und zitiert die genannten Quellen. Er ist keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzt sie nicht. Für die Beurteilung eures Einzelfalls sprecht mit eurem Steuerberater oder eurer Anwältin. Was die Lohnabrechnung davon abbildet, übernehmen wir.