Wer Kurzarbeitergeld 2026 beantragen will, braucht einen erheblichen, vorübergehenden Arbeitsausfall, eine arbeitsrechtliche Grundlage und eine Anzeige bei der Agentur für Arbeit. Das KUG beträgt 60 oder 67 Prozent der Netto-Entgeltdifferenz. Der Leitfaden für KMU und Startups zeigt Berechnung, Antrag und Erstattung.
Kurzarbeitergeld hält Beschäftigte im Betrieb, wenn die Arbeit vorübergehend wegbricht. In der Lohnabrechnung gehört es zu den aufwendigsten Fällen. Ob Konjunktureinbruch, Winterflaute im Baugewerbe oder eine Betriebsstörung: Reagierst du früh und kennst die Voraussetzungen, kannst du Entlassungen vermeiden und bekommst Geld von der Agentur für Arbeit.
Unten stehen die Voraussetzungen für 2026, die Berechnung, die Sozialversicherung während der Kurzarbeit und der Weg zum Antrag bei der Agentur für Arbeit.
Inhalt
- Was ist Kurzarbeitergeld und wann greift es?
- Voraussetzungen für KUG 2026
- Arten: Konjunkturelles KUG, Saison-KUG und Transfer-KUG
- Berechnung: 60 % oder 67 % des Nettoentgeltsausfalls
- Sozialversicherung bei Kurzarbeit
- Der Anmeldeprozess: Schritt für Schritt
- Häufige Fehler und Risiken
- Häufige Fragen (FAQ)
1. Was ist Kurzarbeitergeld und wann greift es?
Kurzarbeitergeld (KUG) ist eine Lohnersatzleistung der Bundesagentur für Arbeit (§§ 95–111 SGB III). Es ersetzt Arbeitnehmern einen Teil des ausgefallenen Nettolohns, wenn der Betrieb die Arbeitszeit vorübergehend reduzieren muss. Arbeitgeber können so qualifizierte Mitarbeiter halten, statt sie zu entlassen.
Früher nutzten vor allem große Industriebetriebe mit starken Konjunkturschwankungen das Kurzarbeitergeld. Heute beantragen es Handwerksbetriebe ebenso wie Werbeagenturen oder Startups, deren Wachstum stockt.
Wichtiger Grundsatz: Kurzarbeit überbrückt, bis die Aufträge zurückkommen oder die nächste Finanzierungsrunde steht. Überdeckst du damit strukturelle Probleme, stehst du am Ende womöglich ohne Liquidität vor dem Insolvenzverfahren.
2. Voraussetzungen für KUG 2026
Ein Betrieb bekommt Kurzarbeitergeld nach §96 SGB III nur, wenn vier Voraussetzungen erfüllt sind:
Erheblicher Arbeitsausfall mit Entgeltausfall
Der Arbeitsausfall muss auf wirtschaftlichen Gründen oder einem unabwendbaren Ereignis beruhen. Unabwendbare Ereignisse sind etwa Naturkatastrophen, ein Brand oder, wie in der Pandemie, staatlich angeordnete Betriebsschließungen. Rein betriebsorganisatorische Ursachen, also schlechte Planung oder Fehlentscheidungen im Management, reichen nicht aus.
Die Erheblichkeitsschwelle: Im Anspruchsmonat müssen mindestens 10 % der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer von einem Entgeltausfall von jeweils mehr als 10 % ihres monatlichen Bruttoentgelts betroffen sein.
Vorübergehende Natur des Arbeitsausfalls
Der Arbeitsausfall muss vorübergehend sein. Du musst also erwarten können, dass die reguläre Arbeitszeit nach Wegfall des Grundes zurückkehrt. Dauerhafter Stellenabbau rechtfertigt kein KUG.
Mindestens ein betroffener Arbeitnehmer
Im Betrieb oder einer Betriebsabteilung muss mindestens ein Arbeitnehmer beschäftigt sein. Auszubildende sind grundsätzlich von Kurzarbeit ausgeschlossen.
Rechtsgrundlage: Betriebsvereinbarung oder Einzelvereinbarung
Für die Arbeitszeitreduzierung brauchst du eine rechtliche Grundlage:
- Betriebsvereinbarung (bei Betrieben mit Betriebsrat, dieser muss zustimmen)
- Tarifvertrag, der Kurzarbeit ausdrücklich zulässt
- Individuelle Vereinbarung mit jedem betroffenen Arbeitnehmer (schriftlich empfohlen)
Achtung ohne Betriebsrat: In Betrieben ohne Betriebsrat ist eine schriftliche Einzelvereinbarung mit jedem betroffenen Arbeitnehmer zwingend erforderlich. Eine einseitige Anordnung von Kurzarbeit durch den Arbeitgeber ist ohne ausdrückliche Ermächtigung im Arbeitsvertrag rechtswidrig und begründet keinen KUG-Anspruch.
3. Arten: Konjunkturelles KUG, Saison-KUG und Transfer-KUG
Das SGB III kennt drei Formen des Kurzarbeitergelds. Sie unterscheiden sich in Zielgruppe, Voraussetzungen und Finanzierung:
| Art | Zielgruppe | Bezugsdauer | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Konjunkturelles KUG | Alle Branchen | Max. 12 Monate (verlängerbar per Verordnung) | Standardform; wirtschaftliche Gründe |
| Saison-KUG | Bau, Dach, Garten, Gerüstbau | Schlechtwetterzeit Dez.–März | Finanziert aus Umlage U3 (Winterbauförderung) |
| Transfer-KUG | Betriebe mit Strukturwandel/Restrukturierung | Max. 12 Monate | Nur in Transfergesellschaft; Qualifizierungsangebote Pflicht |
Konjunkturelles Kurzarbeitergeld
Die Standardform gilt für alle Branchen bei konjunkturbedingtem Auftragsrückgang, Rohstoffmangel, Naturkatastrophen oder behördlichen Anordnungen. Die reguläre Bezugsdauer beträgt 12 Monate. In Krisenzeiten kann die Bundesregierung per Verordnung die Dauer verlängern und die Zugangsvoraussetzungen lockern.
Saison-Kurzarbeitergeld (Saison-KUG)
Für Betriebe des Bau-, Dach-, Gerüstbau- und Gartenbaugewerbes in der sogenannten Schlechtwetterzeit (1. Dezember bis 31. März). Die ersten 150 Stunden des Arbeitsausfalls werden aus dem Arbeitszeitkonto oder Urlaubsansprüchen gedeckt (Voraussetzung: Arbeitszeitkonto vorhanden). Die SV-Beiträge werden vollständig von der Bundesagentur übernommen.
Transferkurzarbeitergeld
Für Betriebe, die Mitarbeiter im Rahmen von Restrukturierungen in eine Transfergesellschaft (§111 SGB III) ausgliedern. Die betroffenen Arbeitnehmer scheiden aus dem Unternehmen aus und werden vorübergehend von der Transfergesellschaft beschäftigt, die Qualifizierungsmaßnahmen anbietet. Bezugsdauer ebenfalls max. 12 Monate.
4. Berechnung: 60 % oder 67 % des Nettoentgeltsausfalls
Das Kurzarbeitergeld beträgt 60 % des pauschalierten Nettoentgeltsausfalls (§106 SGB III). Für Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind (Kinderfreibetrag auf der Lohnsteuerkarte) erhöht sich der Satz auf 67 %.
Berechnungsgrundlage: Soll-Entgelt vs. Ist-Entgelt
Das KUG errechnet sich aus der Differenz zwischen:
- Soll-Entgelt: Der Bruttolohn, das ohne Kurzarbeit verdient worden wäre (begrenzt auf die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung: 8.450 €/Monat, bundeseinheitlich seit 2025)
- Ist-Entgelt: Der während der Kurzarbeit erzielte Bruttolohn
Rechenbeispiel: Mitarbeiter ohne Kind, 50 % Kurzarbeit
In der Praxis rechnest du mit den Lohntabellen der Bundesagentur für Arbeit (§106 Abs. 2 SGB III), die Prozentwerte oben sind eine Näherung. DATEV und andere Lohnabrechnungssysteme haben diese Tabellen integriert.
Hinweis: Einige Arbeitgeber stocken das KUG freiwillig auf, z.B. auf 80 oder 90 % des Nettogehalts. Diese Aufstockung ist lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Ausnahme: Aufstockungen bis 80 % des Nettolohns konnten in der COVID-Pandemie zeitweise steuerfrei sein. Diese Sonderregelung gilt 2026 nicht mehr.
Soll-Ist-Entgelt, Leistungsantrag bei der Agentur für Arbeit, Erstattung der SV-Beiträge: Kurzarbeit macht jede Monatsabrechnung zum Sonderfall. Für unsere Mandanten rechnen wir das im normalen Lohnlauf mit ab, inklusive der Anträge.
5. Sozialversicherung bei Kurzarbeit
Bei den Sozialversicherungsbeiträgen gilt grundsätzlich: SV-Beiträge fallen auf das tatsächlich gezahlte Entgelt (Ist-Entgelt) an. Für den ausgefallenen Teil der Arbeitszeit gelten Sonderregeln:
| SV-Zweig | Berechnung während KUG | Erstattung durch AfA |
|---|---|---|
| Krankenversicherung | Mindestens auf 80 % des Soll-Entgelts (fiktives Entgelt) | 50 % des AG-Anteils (Regelfall) |
| Pflegeversicherung | Mindestens auf 80 % des Soll-Entgelts | 50 % des AG-Anteils |
| Rentenversicherung | Mindestens auf 80 % des Soll-Entgelts | 50 % des AG-Anteils (kann erhöht werden bei Qualifizierung) |
| Arbeitslosenversicherung | Nur auf Ist-Entgelt | Keine direkte Erstattung (Beitrag entfällt auf ausgefallene Stunden) |
| Unfallversicherung | Auf Ist-Entgelt | Keine Erstattung durch AfA |
Die SV-Beiträge auf das fiktive Entgelt (80 % des Soll-Entgelts) zahlst du zunächst selbst. Die Agentur für Arbeit erstattet sie im Nachhinein, im Regelfall zu 50 %. Wenn Kurzarbeiter gleichzeitig an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen, kann die Erstattung auf bis zu 100 % des Arbeitgeberanteils steigen.
Wichtig für die Abrechnung: Das sogenannte "fiktive Entgelt" (80 % des Soll-Entgelts) ist die Mindestbemessungsgrundlage für die SV-Beiträge. In DATEV läuft sie über eigene Lohnarten und eine KUG-Kennzeichnung. Fehler bei der SV-Berechnung beanstanden Betriebsprüfer häufig.
6. Der Anmeldeprozess: Schritt für Schritt
Das Verfahren hat zwei Stufen: erst die Anzeige (Genehmigung), dann der monatliche Leistungsantrag (Auszahlung).
- Vorbereitungsphase: Rechtliche Grundlage schaffen (Betriebsvereinbarung oder Einzelvereinbarungen), betroffene Arbeitnehmer informieren, Arbeitszeitkonto-Status prüfen und ggf. Guthaben abbauen.
- Kurzarbeitsanzeige bei der Agentur für Arbeit: Formular KUG 101 (online über das Arbeitgeber-Portal der AfA oder postalisch). Die Anzeige muss vor Beginn der Kurzarbeit eingehen. Anzugeben sind: Betriebsnummer, Anzahl betroffener Arbeitnehmer, voraussichtliche Dauer und Ursache des Arbeitsausfalls.
- Prüfung und Genehmigung: Die Agentur für Arbeit prüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Bei positiver Entscheidung ergeht ein Bewilligungsbescheid. Die Kurzarbeit darf bereits nach der Anzeige beginnen, nicht erst nach dem Bescheid.
- Kurzarbeit durchführen: Stundenaufzeichnungen sind Pflicht. Jede kurzgearbeitete Stunde muss dokumentiert werden: Soll-Ist-Vergleich pro Mitarbeiter und Monat. Auf diesen Unterlagen baut der Leistungsantrag auf, und Prüfer fordern sie regelmäßig an.
- Monatlicher Leistungsantrag: Formular KUG 107 (Abrechnungsliste) einreichen. Frist: spätestens 3 Monate nach Ende des Anspruchszeitraums. Pro Mitarbeiter sind anzugeben: Soll-Entgelt, Ist-Entgelt, Ausfall-Stunden, KUG-Betrag sowie SV-Beiträge auf das fiktive Entgelt.
- Erstattung durch AfA: Nach Prüfung überweist die Bundesagentur KUG und erstattungsfähige SV-Beiträge auf das Betriebskonto. Üblich sind 2–4 Wochen nach Antragseingang.
Aufbewahrungspflichten
Alle Unterlagen zur Kurzarbeit, Anzeigen, Genehmigungen, Stundenaufzeichnungen, Lohnunterlagen, Leistungsanträge, müssen mindestens 4 Jahre aufbewahrt werden (§147 AO). Bei Verdacht auf Subventionsbetrug verlängert sich diese Frist faktisch unbegrenzt.
7. Häufige Fehler und ihre Konsequenzen
Diese Fehler führen häufig zur Rückforderung des KUG durch die Bundesagentur für Arbeit oder zu Bußgeldern:
Fehler 1: Anzeige zu spät erstattet
Die Kurzarbeitsanzeige muss vor Beginn der Kurzarbeit bei der zuständigen Agentur für Arbeit eingehen. Wer die Kurzarbeit erst rückwirkend anzeigt, erhält für den Zeitraum vor der Anzeige kein KUG. In der Praxis warten Betriebe oft mehrere Wochen, bis die Lage eindeutig ist, und verpassen dabei den Stichtag.
Fehler 2: Falsche SV-Beitragsberechnung
Die Beiträge auf das fiktive Entgelt (80 % des Soll-Entgelts) werden falsch ermittelt oder gar nicht als fiktives Entgelt ausgewiesen und stattdessen nur auf das Ist-Entgelt abgeführt. Das führt zu Nachzahlungen inklusive Säumniszuschlägen bei der nächsten Betriebsprüfung.
Fehler 3: Fehlende oder lückenhafte Stundenaufzeichnungen
Ohne Aufzeichnung der geleisteten Arbeitszeiten kannst du kein KUG beantragen. Fehlen sie, kann die Bundesagentur gezahltes KUG vollständig zurückfordern, auch wenn die Kurzarbeit stattgefunden hat.
Fehler 4: Arbeitnehmer arbeiten trotz Kurzarbeit Vollzeit
Wenn Mitarbeiter formal Kurzarbeit haben, aber weiter Vollzeit arbeiten, etwa weil der Arbeitgeber informell Überstunden anordnet, ist das Subventionsbetrug nach §263 StGB. Die Konsequenzen reichen von vollständiger Rückforderung bis zu strafrechtlicher Verfolgung.
Fehler 5: Keine Einbeziehung des Betriebsrats
In Betrieben mit Betriebsrat muss dieser der Einführung von Kurzarbeit zustimmen (§87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG). Ohne Zustimmung ist die Kurzarbeit rechtswidrig, mit der Folge, dass betroffene Arbeitnehmer ihren vollen Lohn verlangen können, obwohl sie nicht arbeiten.
KUG-Abrechnung auslagern
Anzeige, Stundenerfassung und monatlicher Leistungsantrag machen Arbeit, und Fehler kosten Geld. Wir wickeln das für dich ab.
30-min-Gespräch vereinbaren