Geht es um HR und nicht um Lohn? Dafür gibt es HRklar, dasselbe Team. Nur HR? Macht HRklar. Zu HRklar (öffnet in neuem Tab)

Hitzeschutz am Arbeitsplatz 2026: Was Arbeitgeber konkret tun müssen

Kurzfassung

Ab 30 °C Raumtemperatur müssen Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Einen gesetzlichen Anspruch auf „Hitzefrei" gibt es nicht, wohl aber Schutzpflichten aus ArbStättV und ArbSchG. Wer nichts tut, riskiert Bußgelder bis 25.000 Euro.

Jeden Sommer fordern Mitarbeiter Hitzefrei, HR fragt sich, was Pflicht ist, und jemand zitiert eine Temperaturgrenze, die so im Gesetz nicht steht. Die Rechtslage ist eindeutiger, als viele denken.

Statt eines Anspruchs auf Hitzefrei gibt es eine Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung, Vorgaben aus der Arbeitsstättenverordnung und das TOP-Prinzip, das die Reihenfolge der Maßnahmen vorschreibt.

1. Die Rechtslage: ArbStättV und ArbSchG

Hitzeschutz am Arbeitsplatz ist Pflicht. Die Grundlage liegt in zwei Vorschriften und einer technischen Regel, die sie konkretisiert:

Dazu kommt die allgemeine Fürsorgepflicht aus §618 BGB. Sie verpflichtet Arbeitgeber, die Arbeitsleistung so zu gestalten, dass Beschäftigte vor Gefährdungen für Leben und Gesundheit geschützt sind. Das schließt Hitze ausdrücklich ein.

Merksatz: ArbSchG und ArbStättV begründen Rechtspflichten mit Sanktionsrisiko. Offen ist im Einzelfall nur, welche Maßnahmen zumutbar und ausreichend sind.

2. Temperaturgrenzen: 26, 30, 35 Grad

Die ASR A3.5 unterscheidet drei Temperaturbereiche, die jeweils unterschiedliche Pflichten auslösen. Gemeint ist die Raumtemperatur am Arbeitsplatz, gemessen nach anerkannten Methoden.

Temperatur Bewertung Pflicht des Arbeitgebers
Unter 26 °C Normaler Bereich Keine spezifischen Maßnahmen erforderlich
26–30 °C Erhöhter Bereich Maßnahmen prüfen, bei leichten Tätigkeiten tolerierbar
30–35 °C Kritischer Bereich Maßnahmen verpflichtend (Gefährdungsbeurteilung + TOP-Prinzip)
Über 35 °C Nicht zulässig als Arbeitsraum Raum ist nicht als Arbeitsraum geeignet, alternative Lösung erforderlich

Die 35-°C-Grenze bedeutet keine automatische Freistellung. Sie bedeutet, dass der betroffene Raum nicht mehr als regulärer Arbeitsraum gilt und der Arbeitgeber alternative Lösungen finden muss, zum Beispiel Umzug in einen kühleren Bereich, Heimarbeit oder Arbeitszeitanpassung. Klappt das nicht, kann die Aufsichtsbehörde die Arbeit für diesen Raum untersagen.

3. Gefährdungsbeurteilung nach §5 ArbSchG

Die Gefährdungsbeurteilung ist das wichtigste Instrument des betrieblichen Arbeitsschutzes, und bei Hitze ist sie Pflicht: §5 ArbSchG verpflichtet Arbeitgeber, alle relevanten Gefährdungen zu ermitteln und zu dokumentieren, und Hitze gehört dazu.

Bei Hitze umfasst die Gefährdungsbeurteilung:

Häufiger Fehler: Viele Unternehmen haben eine allgemeine Gefährdungsbeurteilung, in der Hitze fehlt. Das reicht nicht. Wenn die Aufsichtsbehörde kontrolliert und Hitzeschutz fehlt, droht eine formale Beanstandung. Dann holst du die Beurteilung unter Druck nach. Mach sie vorher.

4. Das TOP-Prinzip: Was in welcher Reihenfolge kommt

Das TOP-Prinzip schreibt gesetzlich vor, in welcher Reihenfolge du Schutzmaßnahmen ergreifst. TOP steht für:

T
Technische Maßnahmen, erste Priorität

Maßnahmen an der Arbeitsstätte selbst: Klimaanlage, Jalousien, Sonnenschutzfolien, bauliche Verbesserungen. Sie haben Vorrang, weil sie an der Ursache ansetzen.

O
Organisatorische Maßnahmen, zweite Priorität

Arbeitsabläufe und -zeiten anpassen: Hitzepausen, kühlere Arbeitszeiten, Rotation. Diese Maßnahmen kommen erst dann, wenn technische Lösungen nicht ausreichen oder nicht umsetzbar sind.

P
Persönliche Schutzmaßnahmen, letzte Priorität

Bereitstellung von Getränken, leichter Kleidung oder persönlicher Schutzausrüstung. Diese Maßnahmen ergänzen technische und organisatorische Maßnahmen, ersetzen sie aber nicht.

Viele Unternehmen starten mit P (Wasserflasche hinstellen) statt mit T und O. Das erfüllt die Schutzpflicht nicht, wenn technisch machbare Lösungen ignoriert werden.

5. Technische Maßnahmen

Technische Maßnahmen haben im TOP-Prinzip Vorrang. Ließe sich eine Klimaanlage einbauen und ist sie wirtschaftlich zumutbar, prüfst du sie vor allem anderen.

Typische technische Maßnahmen im Überblick

Mietimmobilien: Viele Arbeitgeber sind Mieter und können bauliche Maßnahmen nicht allein entscheiden. In diesem Fall ist eine Abstimmung mit dem Vermieter erforderlich. Das entbindet den Arbeitgeber aber nicht davon, zumutbare Alternativen (mobile Klimageräte, Folien, Ventilatoren) umzusetzen.

6. Organisatorische Maßnahmen

Wenn technische Maßnahmen nicht ausreichen oder erst umgesetzt werden, greifen organisatorische Anpassungen. Sie kosten meist wenig, verlangen aber Planung und Absprachen im Team.

7. Persönliche Schutzmaßnahmen

Persönliche Maßnahmen ergänzen die technischen und organisatorischen. Sie sind die dritte Stufe des TOP-Prinzips und ersetzen die ersten beiden nicht.

8. Hitzefrei: Was es bedeutet und was nicht

„Hitzefrei" kennst du aus der Schulzeit. Im Arbeitsleben gilt es so nicht. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei für Arbeitnehmer. Weder das ArbSchG noch die ArbStättV sehen vor, dass Beschäftigte ab einer bestimmten Temperatur automatisch nach Hause geschickt werden müssen.

Möglich ist aber Folgendes:

Achtung Lohnfortzahlung: Wer Beschäftigte bei Hitze nach Hause schickt, bleibt zur Lohnzahlung verpflichtet. Es sei denn, es liegt ein anderer Grund vor (z.B. Kurzarbeit, Betriebsstillstand durch höhere Gewalt). Hitzefrei auf Kosten der Mitarbeiter (unbezahlt) ist rechtlich nicht möglich.

9. Homeoffice als Hitzeschutz

Viele Unternehmen nutzen Homeoffice-Regelungen an besonders heißen Tagen als flexible Lösung. Arbeitsrechtlich geht das, wenn folgende Punkte stimmen.

Was beachtet werden muss

Praxis-Tipp: Wer flexible Homeoffice-Regelungen für Hitzetage einführen möchte, sollte das schriftlich festhalten, entweder im Arbeitsvertrag, als Zusatzvereinbarung oder in einer Betriebsvereinbarung (bei vorhandenem Betriebsrat). Schriftliche Regeln verhindern späteren Streit über Erwartungen. Solche Regelungen lassen sich gut im Mitarbeiterhandbuch dokumentieren.

10. Bußgelder und Haftung

§25 Abs. 1 ArbSchG sieht bei Ordnungswidrigkeiten Bußgelder bis 25.000 Euro vor. Zuständig für die Kontrolle sind die Arbeitsschutzbehörden der Länder (je nach Bundesland: Gewerbeaufsicht, Landesamt für Arbeitsschutz oder Bezirksregierung).

Die Behörde kontrolliert:

Darüber hinaus können Beschäftigte bei hitzebedingten Gesundheitsschäden zivilrechtlich Schadensersatz nach §618 BGB geltend machen, wenn der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht verletzt hat. Mit dokumentiertem Hitzeschutz senkst du also auch dein Haftungsrisiko.

Hitzeschutz umsetzen und dokumentieren

Gefährdungsbeurteilung, Maßnahmenprotokoll, Unterweisungsnachweise: Wir helfen dir, die Arbeitsschutzpflichten bei Hitze zu dokumentieren, bevor die Aufsichtsbehörde fragt.

30-min-Gespräch vereinbaren

11. Häufige Fragen (FAQ)

Nein. Einen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei gibt es in Deutschland nicht. Weder ArbSchG noch ArbStättV sehen eine automatische Freistellung vor. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, aber nicht dazu, bei Hitze die Arbeit einzustellen. Wenn Hitzefrei gewährt wird, dann freiwillig und mit Lohnfortzahlung.
Die ASR A3.5 unterscheidet drei Bereiche: Ab 26 °C sollten Maßnahmen geprüft werden. Ab 30 °C sind Maßnahmen verpflichtend (Gefährdungsbeurteilung + TOP-Prinzip). Ab 35 °C gilt der Raum als nicht mehr als Arbeitsraum geeignet, der Arbeitgeber muss alternative Lösungen finden oder die Arbeit einstellen.
Eine gesetzliche Pflicht, Getränke zu stellen, gibt es nicht. DGUV und ArbStättV empfehlen es aber ausdrücklich als persönliche Schutzmaßnahme. Wer bei Hitze keine Getränke bereitstellt, verletzt möglicherweise seine Fürsorgepflicht nach §618 BGB. Viele Tarifverträge enthalten zusätzlich explizite Regelungen dazu.
Ja, und er sollte es. Das Lockern von Bekleidungsvorschriften ist eine typische organisatorische Schutzmaßnahme und gehört zum TOP-Prinzip. Bei Temperaturen über 30 °C ist das Freistellen von Krawatte, Anzug oder formeller Kleidung eine sinnvolle Maßnahme. Ausnahmen gelten nur, wo zwingend Schutzkleidung aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben ist.
Verstöße gegen das ArbSchG können nach §25 Abs. 1 ArbSchG mit Bußgeldern bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Zuständig sind die Arbeitsschutzbehörden der Länder. Bei hitzebedingten Gesundheitsschäden können Beschäftigte zusätzlich zivilrechtlich Schadensersatz nach §618 BGB geltend machen.
Melanie Schulze, HR- & Payroll Managerin
Melanie Schulze HR- & Payroll Managerin · Lohnklar

Melanie Schulze ist HR- & Payroll Managerin bei Lohnklar und betreut Unternehmen bei Arbeitsrecht, Onboarding und HR-Prozessen.

Der Kalender kommt von Cal.com

Erst wenn du ihn lädst, verbindet sich dein Browser mit Cal.com (Cal.com, Inc., USA). Dabei bekommt Cal.com zum Beispiel deine IP-Adresse und setzt eigene Cookies, es gelten dann die Datenschutzbestimmungen von Cal.com. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Lieber in einem neuen Tab