Der Koalitionsvertrag 2025 plant, alle neuen Selbstständigen ohne anderes Pflicht-Vorsorgesystem in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, mit Opt-out bei nachgewiesener eigener Altersvorsorge und nur für Neugründungen. Ein verabschiedeter Gesetzentwurf liegt Mitte 2026 noch nicht vor. Schon heute sind aber bestimmte Gruppen nach §2 SGB VI pflichtversichert, darunter Freelancer mit nur einem Auftraggeber. Für dich als Arbeitgeber zählt unabhängig von der Reform: Freelancer-Verhältnisse auf Scheinselbstständigkeit prüfen und dokumentieren.
Rund jeder zweite Solo-Selbstständige in Deutschland zahlt nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Politisch ist das seit Jahren ein Thema, weil ein Teil dieser Gruppe im Alter auf Grundsicherung angewiesen ist. CDU, CSU und SPD haben deshalb im Koalitionsvertrag 2025 festgehalten, dass neue Selbstständige künftig in die Rentenversicherung einbezogen werden sollen, sofern sie nicht anderweitig abgesichert sind.
Als Geschäftsführung oder Office in einem KMU oder Startup denkst du vielleicht, das betreffe nur die Selbstständigen. Berührungspunkte gibt es trotzdem: bei der Vertragsgestaltung mit Freelancern, beim Statusfeststellungsverfahren und bei der Frage, ob ein Freelancer-Verhältnis wirtschaftlich noch passt, wenn Rentenbeiträge auf die Tagessätze durchschlagen. Das größte Risiko hat mit der Reform nichts zu tun: Ist ein vermeintlich freier Mitarbeiter abhängig beschäftigt, haftest du rückwirkend für die Beiträge.
Inhalt
- Aktuelle Rechtslage: Wer ist heute RV-pflichtig?
- Die Pflichtgruppen nach §2 SGB VI im Detail
- Arbeitnehmerähnliche Selbstständige: der kritische Fall
- Befreiungsmöglichkeiten und die 3-Jahres-Regel für Gründer
- Was der Koalitionsvertrag 2025 plant
- Was bedeutet das für Unternehmen mit Freelancern?
- Abgrenzung zur Scheinselbstständigkeit
- Statusfeststellungsverfahren als Schutz
- Anstellung statt Freelance: Was kostet was?
- Empfehlungen für KMU und Startups
- Häufige Fragen (FAQ)
1. Aktuelle Rechtslage: Wer ist heute RV-pflichtig?
Das Rentenversicherungsrecht kennt keine allgemeine Pflicht für Selbstständige. Wer ein Gewerbe anmeldet oder als Freiberufler tätig wird, hat zunächst keine Berührung mit der gesetzlichen Rentenversicherung, es sei denn, er fällt in eine der Gruppen nach §2 SGB VI.
Die Grundregel: Arbeitnehmer sind pflichtversichert, Selbstständige sind es im Regelfall nicht. Selbstständige außerhalb der §2-Gruppen können trotzdem vorsorgen, etwa über die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung, über private Rentenversicherungen oder, bei verkammerten Berufen wie Ärzten, Anwälten und Architekten, über ein berufsständisches Versorgungswerk. Pflicht ist davon aber nichts, die Entscheidung liegt beim Selbstständigen.
Hier setzt die politische Debatte an: Wer als Selbstständiger keine Altersvorsorge aufbaut, ist im Alter auf Grundsicherung angewiesen, die der Steuerzahler finanziert. Manche Selbstständige sind allerdings schon heute pflichtversichert, oft ohne es zu wissen.
2. Die Pflichtgruppen nach §2 SGB VI im Detail
§2 SGB VI zählt abschließend auf, welche selbstständig Tätigen versicherungspflichtig sind. Für dich als Auftraggeber sind vor allem die letzte Gruppe (arbeitnehmerähnliche Selbstständige) und die Künstler über die Künstlersozialkasse relevant.
| Gruppe (§2 SGB VI) | Voraussetzungen | In der Praxis relevant? |
|---|---|---|
| Lehrer und Erzieher | Selbstständig tätig, keine versicherungspflichtigen Angestellten | Ja, z. B. Nachhilfe-, Sprach-, Sport- und Yogalehrer |
| Pflegepersonen | Pflege in der Kranken-, Wochen-, Säuglings- oder Kinderpflege ohne versicherungspflichtige Angestellte | Ja, in der ambulanten Einzelpflege |
| Hebammen und Entbindungspfleger | Freiberufliche Tätigkeit | Ja |
| Handwerker | Eintrag in die Handwerksrolle (zulassungspflichtiges Handwerk, HwO Anlage A) | Ja, oft bei Solo-Handwerkern |
| Küstenschiffer, Küstenfischer, Seelotsen | Sehr spezifische maritime Berufe | Nein, Randgruppe |
| Künstler und Publizisten | Pflicht über die Künstlersozialkasse (KSK), eigenes Sondersystem | Ja, betrifft auch Auftraggeber (Künstlersozialabgabe) |
| Arbeitnehmerähnliche Selbstständige | Dauerhaft im Wesentlichen ein Auftraggeber und kein versicherungspflichtiger Arbeitnehmer | Ja, hier liegt das größte Risiko für Auftraggeber |
Eine Besonderheit ist die Handwerksrolle: Pflichtversichert sind nach §2 Satz 1 Nr. 8 SGB VI nur selbstständige Handwerker im zulassungspflichtigen Handwerk (Anlage A der Handwerksordnung). Wer ein zulassungsfreies oder handwerksähnliches Gewerbe betreibt, fällt nicht automatisch unter diese Pflicht. Handwerker können sich zudem nach 18 Jahren Pflichtbeiträgen befreien lassen.
Bei Künstlern und Publizisten greift ein eigenes System: Sie sind nicht direkt über §2 pflichtversichert, sondern über die Künstlersozialkasse. Für Unternehmen, die regelmäßig Aufträge an selbstständige Künstler, Texter, Designer oder Fotografen vergeben, ist hier die Künstlersozialabgabe relevant, mehr dazu in Abschnitt 6.
3. Arbeitnehmerähnliche Selbstständige: der kritische Fall
Die für Auftraggeber wichtigste Gruppe sind die arbeitnehmerähnlichen Selbstständigen nach §2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI. Pflichtversichert ist danach, wer zwei Bedingungen erfüllt:
- Er ist auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig.
- Er beschäftigt im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer.
Was bedeutet "im Wesentlichen"? Die Deutsche Rentenversicherung legt das so aus, dass mindestens fünf Sechstel der Betriebseinnahmen von einem einzigen Auftraggeber stammen. Wer also rund 83 Prozent oder mehr seines Umsatzes mit einem Kunden macht, erfüllt dieses Kriterium.
Ein einzelner Minijobber rettet den Selbstständigen nicht automatisch aus der Pflicht. Nach der Rechtsprechung stehen mehrere geringfügig Beschäftigte einem versicherungspflichtigen Arbeitnehmer gleich, wenn die Summe ihrer Arbeitsentgelte regelmäßig die Geringfügigkeitsgrenze übersteigt. Diese liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 603 Euro pro Monat (sie ist an den Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde gekoppelt und steigt dynamisch). Wer also einen Minijobber mit 500 Euro beschäftigt, gilt weiterhin als arbeitnehmerähnlich.
Nicht verwechseln: Arbeitnehmerähnliche Selbstständigkeit nach §2 SGB VI ist nicht dasselbe wie Scheinselbstständigkeit. Ein arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger ist eine echte selbstständige Person, die nur rentenversicherungspflichtig wird, weil sie wirtschaftlich von einem Auftraggeber abhängt. Scheinselbstständigkeit bedeutet dagegen, dass jemand formal als Selbstständiger auftritt, tatsächlich aber wie ein Angestellter eingegliedert und weisungsgebunden arbeitet. Für dich als Auftraggeber haben beide Fälle ernste Folgen.
4. Befreiungsmöglichkeiten und die 3-Jahres-Regel für Gründer
Auch wer pflichtversichert ist, zahlt nicht in jedem Fall Beiträge. §6 SGB VI und ergänzende Regelungen sehen mehrere Befreiungsmöglichkeiten vor. Die wichtigsten:
Existenzgründer-Befreiung für bis zu drei Jahre
Arbeitnehmerähnliche Selbstständige nach §2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI können sich in der Gründungsphase befreien lassen, und zwar für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren nach erstmaliger Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit. Rechtsgrundlage ist §6 Abs. 1a SGB VI.
Auf das Timing kommt es an: Wird der Antrag innerhalb der ersten drei Monate gestellt, wirkt die Befreiung ab Tätigkeitsbeginn. Bei späterem Antrag verkürzt sich der Befreiungszeitraum entsprechend, und für die Monate davor können Beiträge nachgefordert werden. Die Drei-Jahres-Phase lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen ein zweites Mal nutzen, etwa bei einer echten zweiten Existenzgründung, nicht jedoch, wenn eine bestehende Tätigkeit nur umbenannt wird.
Befreiung bei bestehender anderweitiger Vorsorge
Daneben gibt es Befreiungstatbestände für Personen, die bereits über eine Pflichtversicherung in einem Versorgungswerk abgesichert sind (typisch bei verkammerten Berufen). Handwerker können sich nach mindestens 18 Jahren Pflichtbeitragszahlung befreien lassen. Diese Tatbestände sind eng gefasst, und der Antrag muss aktiv gestellt werden, eine automatische Befreiung gibt es nicht.
Häufiger Fehler: Viele Selbstständige merken erst nach Jahren, dass sie pflichtversichert waren, etwa wenn die Deutsche Rentenversicherung im Rahmen einer Prüfung Nachzahlungen verlangt. Wer in eine der §2-Gruppen fällt, muss das selbst innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Tätigkeit bei der Deutschen Rentenversicherung melden. Versäumte Befreiungsanträge lassen sich rückwirkend oft nicht mehr retten.
5. Was der Koalitionsvertrag 2025 plant
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD aus dem Jahr 2025 steht zum Thema Alterssicherung sinngemäß, dass alle neuen Selbstständigen, die keinem anderen Pflicht-Alterssicherungssystem zugeordnet sind, gründerfreundlich in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden sollen. Andere Formen der Altersvorsorge, die im Alter verlässlich absichern, sollen weiter möglich bleiben.
Aus dieser Formulierung und der begleitenden Berichterstattung lassen sich die Eckpunkte ableiten:
- Personenkreis: Nur neue Selbstständige. Bestandsfälle sollen zunächst ausgenommen bleiben.
- Opt-out: Wer eine gleichwertige private oder berufsständische Altersvorsorge nachweist, kann außen vor bleiben. Das im Vorgänger-Koalitionsvertrag genannte unbürokratische Opt-out wird zwar nicht mehr wörtlich erwähnt, ist mit dem Zusatz zu anderen Vorsorgeformen aber faktisch gemeint.
- Beitragssatz: Greift die gesetzliche Rentenversicherung, gilt der reguläre Beitragssatz von 18,6 Prozent (2026), den der Selbstständige in voller Höhe selbst trägt, anders als Arbeitnehmer, bei denen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Satz teilen.
- Bemessung: Wie der Beitrag konkret berechnet wird (Mindestbeitrag, einkommensabhängig, Übergangsregeln), ist noch offen und wird erst der Gesetzentwurf klären.
Aktueller Stand (Mitte 2026)
Ein verabschiedeter Gesetzentwurf liegt noch nicht vor. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Vorschläge der Alterssicherungskommission inklusive einer Vorsorgepflicht für Selbstständige umzusetzen, der parlamentarische Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Bis konkrete Beitragssätze und ein Inkrafttreten feststehen, bleibt vieles Ankündigung. Für die genaue Ausgestaltung lohnt der Blick auf die laufenden Verlautbarungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
6. Was bedeutet das für Unternehmen mit Freelancern?
Kurzfristig ändert die geplante Reform für dich als Auftraggeber wenig. Sie zielt auf die Altersvorsorge der Selbstständigen, nicht auf die Auftraggeber, und sie soll nur Neugründungen erfassen. Bestehende Freelancer-Verhältnisse wären nicht automatisch betroffen.
Mittelfristig kann sie dich trotzdem treffen. Wenn neue Selbstständige Rentenbeiträge in Höhe von 18,6 Prozent ihres Gewinns selbst tragen müssen, steigen ihre Fixkosten. Erfahrungsgemäß geben Freelancer solche Kostensteigerungen über höhere Tagessätze weiter. Das verschiebt die Rechnung zwischen Freelancer-Einsatz und Festanstellung, gerade bei Rollen, die du dauerhaft brauchst. Den Kostenvergleich findest du in Abschnitt 9.
Sonderfall Künstlersozialabgabe
Wenn dein Unternehmen regelmäßig oder im größeren Umfang Aufträge an selbstständige Künstler oder Publizisten vergibt (Designer, Texter, Fotografen, Webentwickler mit gestalterischem Schwerpunkt, Musiker für Events), kann die Künstlersozialabgabe fällig werden. Das ist ein vom Auftraggeber zu zahlender Prozentsatz auf die gezahlten Honorare, der die Künstlersozialkasse mitfinanziert. Anders als bei der RV-Pflicht der Selbstständigen zahlst du diese Abgabe direkt. Die Deutsche Rentenversicherung prüft die Abgabepflicht in der Betriebsprüfung mit, deshalb taucht sie bei der Begleitung einer Betriebsprüfung regelmäßig auf.
7. Abgrenzung zur Scheinselbstständigkeit
Unabhängig von der Reform ist die Scheinselbstständigkeit das größere Risiko. Eine Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn jemand zwar als Selbstständiger beauftragt wird, tatsächlich aber wie ein abhängig Beschäftigter arbeitet. Die Deutsche Rentenversicherung beurteilt das nach dem Gesamtbild der Tätigkeit auf Basis von §7 SGB IV.
Bei einer Betriebsprüfung schauen die Prüfer darauf, wie ihr das Verhältnis im Alltag lebt, und nicht nur auf den Vertrag. Kriterien, die für echte Selbstständigkeit sprechen:
- Der Freelancer hat mehrere Auftraggeber, nicht nur deinen Betrieb.
- Er trägt ein eigenes unternehmerisches Risiko (eigene Kalkulation, Haftung, Akquise).
- Er bestimmt Arbeitszeit und Arbeitsort im Wesentlichen selbst.
- Er nutzt eigene Betriebsmittel und Infrastruktur statt deiner Ausstattung.
- Er ist nicht in deine Arbeitsorganisation eingegliedert (kein Schichtplan, kein Teammeeting-Zwang, kein interner Account wie ein Mitarbeiter).
- Du hast kein Weisungsrecht über Art und Weise der Arbeit, nur über das Ergebnis.
- Er tritt nach außen als Unternehmer auf, mit eigener Website, eigenen Angeboten, eigener Rechnungsstellung.
Je mehr dieser Punkte fehlen, desto höher das Risiko, dass die Deutsche Rentenversicherung das Verhältnis als abhängige Beschäftigung einstuft. Eine vertiefte Darstellung mit Beispielen findest du im Artikel Scheinselbstständigkeit 2026.
Folgen für den Auftraggeber: Wird eine Scheinselbstständigkeit festgestellt, drohen Nachzahlungen für Sozialversicherungsbeiträge rückwirkend für vier Jahre, bei vorsätzlichem Vorenthalten sogar für 30 Jahre. Den Beitrag trägt in der Regel der Auftraggeber, weil eine Rückforderung beim Mitarbeiter rechtlich stark eingeschränkt ist. Hinzu kommen mögliche strafrechtliche Konsequenzen wegen Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen (§266a StGB). Spätestens hier ist anwaltlicher und sozialversicherungsrechtlicher Rat sinnvoll.
8. Statusfeststellungsverfahren als Schutz
Wer unsicher ist, ob ein Freelancer-Verhältnis richtig gestaltet ist, kann ein Statusfeststellungsverfahren nach §7a SGB IV bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund beantragen. Das Verfahren ist gebührenfrei und verschafft beiden Seiten Klarheit über den sozialversicherungsrechtlichen Status.
Der Vorteil: Du musst nicht warten, bis ein Prüfer von sich aus tätig wird. Stellst du den Antrag früh, idealerweise zu Beginn einer neuen Zusammenarbeit, musst du nicht Jahre später mit einer Nachforderung rechnen. Stellt die Clearingstelle eine abhängige Beschäftigung fest, kannst du das Verhältnis korrigieren, bevor sich hohe Beitragsschulden aufbauen. Die Bearbeitung dauert in der Praxis einige Monate.
Praxis-Tipp: Dokumentiere zu jedem freien Mitarbeiter, warum es sich um echte Selbstständigkeit handelt, am besten von Beginn an. Eine schlichte Aktennotiz mit den Kriterien aus Abschnitt 7 (mehrere Auftraggeber, eigene Betriebsmittel, keine Weisungsbindung) plus die Gewerbeanmeldung oder Steuernummer des Freelancers ist mehr wert als jede nachträgliche Begründung. Mehr zum Ablauf einer Lohn- und SV-Prüfung liest du auf unserer Seite zur Begleitung von Betriebsprüfungen.
9. Anstellung statt Freelance: Was kostet was?
Spätestens wenn ein Freelancer faktisch dauerhaft und weitgehend exklusiv für dich arbeitet, rechne nach, ob eine Festanstellung günstiger und sicherer wäre. Das Beispiel vergleicht einen Angestellten mit 5.000 Euro Brutto und einen Freelancer mit 500 Euro Tagessatz bei 20 Einsatztagen im Monat.
| Kostenkomponente | Angestellter (Brutto 5.000 €) | Freelancer (500 €/Tag, 20 Tage) |
|---|---|---|
| Direktkosten pro Monat | 5.000 € Bruttolohn | 10.000 € Honorar |
| Arbeitgeberanteil Sozialversicherung | ca. 1.050 € (rund 21 %) | kein AG-Anteil |
| Bezahlter Urlaub und Feiertage | im Lohn enthalten | nicht enthalten (im Tagessatz einkalkuliert) |
| Entgeltfortzahlung bei Krankheit | bis zu 6 Wochen Risiko | kein Anspruch, kein Risiko für dich |
| Flexibilität | Kündigungsschutz, längere Bindung | kurzfristig skalierbar |
| Gesamtkosten pro Monat (ca.) | rund 6.050 € | rund 10.000 € |
Ein Freelancer mit 500 Euro Tagessatz bei 20 Tagen kostet nominal deutlich mehr als ein Angestellter mit 5.000 Euro Brutto. Mit dem Aufpreis bezahlst du Flexibilität: kein Kündigungsschutz, keine Lohnfortzahlung, kurzfristig abbaubar. Brauchst du diese Flexibilität, kann der höhere Tagessatz die richtige Entscheidung sein.
Die Rechnung kippt, sobald zwei Dinge zusammenkommen: Der Freelancer arbeitet faktisch dauerhaft und exklusiv für dich (dann droht die Einstufung als Beschäftigung), und mit der geplanten Reform steigen die Tagessätze, weil neue Selbstständige ihre Rentenbeiträge einpreisen. In diesem Fall ist die Festanstellung oft sowohl sicherer als auch wirtschaftlicher. Wer die Lohnabrechnung dafür nicht selbst aufbauen will, kann die Lohnabrechnung auslagern.
10. Empfehlungen für KMU und Startups
Was du jetzt tun kannst, unabhängig davon, wann und in welcher Form die Reform kommt:
Freelancer-Verhältnisse dokumentieren
Halte zu jedem freien Mitarbeiter schriftlich fest, warum keine abhängige Beschäftigung vorliegt: mehrere Auftraggeber, eigene Betriebsmittel, keine Eingliederung, kein Weisungsrecht über die Art der Arbeit. Ergänze Gewerbeanmeldung oder Steuernummer. Diese Dokumentation brauchst du in jeder Betriebsprüfung.
Kritische Verhältnisse aktiv prüfen
Arbeitet ein Freelancer seit über einem Jahr fast ausschließlich für dich und macht das mehr als fünf Sechstel seines Einkommens aus, musst du handeln. Entweder du beantragst ein Statusfeststellungsverfahren, oder du wandelst das Verhältnis in eine reguläre Anstellung um. Eine rückwirkende Einstufung kann Beiträge für bis zu vier Jahre kosten.
Den Kostenvergleich aktuell halten
Wenn die RV-Pflicht für neue Selbstständige greift, werden Tagessätze steigen. Berechne jetzt, ab welchem Tagessatz eine Festanstellung für eine bestimmte Rolle wirtschaftlicher wird. Dann hast du die Zahlen parat, wenn die Entscheidung ansteht.
Bei neuen Selbstständigen auf die Meldepflichten hinweisen
Wenn du mit Solo-Selbstständigen arbeitest, die in eine §2-Gruppe fallen könnten (etwa Trainer, Coaches, Pflegekräfte), hilft ein kurzer Hinweis auf die Melde- und Befreiungsfrist von drei Monaten. Verantwortlich für die Meldung bleibt der Selbstständige, der Hinweis erspart euch aber spätere Konflikte.
Freelancer-Einsatz absichern, bevor der Prüfer kommt
Bei Scheinselbstständigkeit und Künstlersozialabgabe haftest du als Auftraggeber. Wir prüfen deine Freelancer-Verhältnisse, empfehlen wo nötig das Statusfeststellungsverfahren und begleiten bei Bedarf den Übergang in ein reguläres Arbeitsverhältnis inklusive Lohnabrechnung.
30-min-Gespräch vereinbaren11. Häufige Fragen (FAQ)
Dieser Text gibt den Stand vom Juni 2026 wieder und zitiert die genannten Quellen. Er ist keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzt sie nicht. Für die Beurteilung eures Einzelfalls sprecht mit eurem Steuerberater oder eurer Anwältin. Was die Lohnabrechnung davon abbildet, übernehmen wir.