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Geschäftsführer Lohnabrechnung GmbH 2026: Was konkret anders ist

Kurzfassung

Ohne schriftlichen Gesellschafterbeschluss vor der ersten Zahlung riskierst du bei der Geschäftsführer-Abrechnung eine verdeckte Gewinnausschüttung. SV-freie Gesellschafter-GF brauchen andere DATEV-Schlüssel, haben keinen Anspruch auf einen AG-Zuschuss zur privaten KV und können keine Kurzarbeit beantragen.

Die GmbH ist gegründet, der Geschäftsführer-Anstellungsvertrag liegt unterschrieben auf dem Tisch, und jetzt steht der erste Gehaltszettel an. Wer den Geschäftsführer in DATEV wie einen normalen Arbeitnehmer anlegt, macht fast immer Fehler, und die fallen oft erst Jahre später in der Betriebsprüfung auf.

Hier steht, was auf dem Gehaltszettel eines GmbH-Geschäftsführers anders ist, mit Zahlen für 2026.

Gesellschafterbeschluss: Pflicht vor der ersten Zahlung

Bevor die erste Zahlung an den Geschäftsführer fließt, muss die Gesellschafterversammlung das Gehalt förmlich beschlossen haben. Steuerlich führt daran kein Weg vorbei.

Der Bundesfinanzhof hat in ständiger Rechtsprechung klargestellt, dass Gehaltsvereinbarungen zwischen einer GmbH und ihrem Gesellschafter-GF dem Fremdvergleich standhalten müssen, also so gestaltet sein müssen, wie die GmbH den Vertrag auch mit einem fremden Dritten abschließen würde. Fehlt der wirksame Beschluss vor der Auszahlung, wertet das Finanzamt die Zahlung als verdeckte Gewinnausschüttung (vGA). Die Folge: Die GmbH verliert den Betriebsausgabenabzug, und beim Gesellschafter-GF wird der Betrag als Kapitalertrag besteuert, mit 25 % Abgeltungsteuer statt der regulären Lohnsteuer.

Kritisch: Eine nachträgliche Genehmigung des Gehalts heilt die vGA nicht. Der Beschluss muss zeitlich vor der ersten Auszahlung gefasst worden sein.

Mindestinhalt des Gesellschafterbeschlusses

  • Höhe des monatlichen Grundgehalts (konkret in Euro, nicht als Spanne)
  • Tantieme-Regelung: Prozentsatz, Bemessungsgrundlage, Fälligkeitszeitpunkt
  • Pkw-Überlassung: Fahrzeugklasse, Privatnutzungsregelung, Versteuerungsmethode
  • Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Pensionszusage (falls geplant)
  • Vergütung für Nebenleistungen (z. B. Telefon, Homeoffice-Ausstattung)

SV-Status vorab klären

Vom SV-Status hängt die ganze weitere Abrechnung ab. Zwei Konstellationen kommen am häufigsten vor:

Für alle Fälle, die nicht eindeutig sind, empfiehlt die Deutsche Rentenversicherung Bund das Statusfeststellungsverfahren gemäß §7a SGB IV. Das schützt vor rückwirkenden Nachforderungen. Mehr dazu im Artikel Geschäftsführer Sozialversicherung: Wann SV-Pflicht besteht.

Hinweis: Der SV-Status muss bei jeder wesentlichen Änderung der Beteiligungsverhältnisse neu geprüft werden, z. B. wenn ein GF Anteile kauft oder abgibt.

Was in der monatlichen Abrechnung anders ist

Fremdgeschäftsführer (SV-pflichtig)

Die Abrechnung läuft weitgehend wie bei einem normalen Arbeitnehmer. Drei Besonderheiten gehen dabei oft unter:

Gesellschafter-GF (SV-frei)

Beim SV-freien Gesellschafter-GF hat die Lohnbuchhaltung mehr zu beachten:

Häufigster Fehler: Der SV-freie Gesellschafter-GF wird in DATEV mit regulären SV-Schlüsseln angelegt. Die Software berechnet dann SV-Beiträge, die gar nicht anfallen. Im ungünstigeren Fall berechnet sie keine Beiträge und löst trotzdem keine Prüfung aus.

Der AG-Zuschuss zur privaten Krankenversicherung ist keine Pflicht

Den Arbeitgeberzuschuss regelt §257 Abs. 2 SGB V: „Beschäftigte, die nur wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze […] versicherungsfrei […] und bei einem privaten Krankenversicherungsunternehmen versichert sind […], erhalten von ihrem Arbeitgeber einen Beitragszuschuß.“ Der SV-freie Gesellschafter-GF ist kein Beschäftigter im Sinne der Sozialversicherung. Er fällt nicht unter die Vorschrift, und die GmbH muss nichts zahlen.

Freiwillig zahlen darf die GmbH einen Zuschuss trotzdem. Steuerfrei ist er dann nicht: §3 Nr. 62 EStG befreit Arbeitgeberausgaben dieser Art nur, „soweit der Arbeitgeber dazu nach sozialversicherungsrechtlichen oder anderen gesetzlichen Vorschriften oder nach einer auf gesetzlicher Ermächtigung beruhenden Bestimmung verpflichtet ist“. Ein freiwilliger Zuschuss ist deshalb steuerpflichtiger Arbeitslohn und läuft mit dem Gehalt durch die Lohnsteuer.

Tantieme: Beschluss und Zufluss

Eine Tantieme ist eine erfolgsabhängige Vergütung für den GF. Bei kaum einer Zahlung passieren mehr steuerliche Fehler.

Die Grundregel: Der Gesellschafterbeschluss über die Tantieme muss vor dem Geschäftsjahr gefasst worden sein, für das sie gewährt wird. Entscheidet die Gesellschafterversammlung im Dezember, dem GF rückwirkend für das laufende Jahr eine Tantieme zu zahlen, ist das eine verdeckte Gewinnausschüttung, auch wenn die Zahlung wirtschaftlich angemessen ist.

In der Abrechnung kommt dazu:

Praxistipp: Die Tantieme-Regelung sollte so konkret formuliert sein, dass der Betrag ohne Ermessensspielraum berechenbar ist, z. B. "10 % des Jahresüberschusses vor Steuern, maximal 30.000 Euro". Vage Formulierungen wie "angemessene Erfolgsbeteiligung" sind angreifbar.

Das übernehmen wir

Bei der Tantieme klemmt es am häufigsten: Der Zuflussmonat stimmt nicht oder der Schlüssel, und die Korrektur zieht sich über mehrere Abrechnungen. Wir führen die Geschäftsführer-Abrechnung laufend mit, inklusive Beschlusslage, Sonderzahlungen und Jahreswechsel.

Dienstwagen und Sachbezüge beim GF

Die 1-Prozent-Regelung gilt für den GmbH-Geschäftsführer wie für jeden anderen Arbeitnehmer. Beim SV-freien GGF gibt es eine Besonderheit: Der geldwerte Vorteil aus der Pkw-Nutzung ist lohnsteuerpflichtig, aber nicht SV-pflichtig.

Der monatliche geldwerte Vorteil berechnet sich so:

Statt des Pauschalansatzes kannst du ein Fahrtenbuch führen. Das macht mehr Arbeit, ist bei überwiegend dienstlicher Nutzung aber oft günstiger. Mehr dazu im Artikel Dienstwagen 1%-Regelung 2026: Berechnung und Alternativen.

Die schriftliche Überlassungsvereinbarung zum Dienstwagen muss ebenfalls Bestandteil des Anstellungsvertrags oder des Gesellschafterbeschlusses sein. Ein mündlich gewährter Dienstwagen ohne Dokumentation ist ein vGA-Risiko.

Beispielrechnung: Gesellschafter-GF mit Pkw

Ein Beispiel für einen Gesellschafter-GF (SV-frei, Steuerklasse I, privat versichert):

Position Betrag / Monat Anmerkung
Grundgehalt brutto 8.500,00 € per Gesellschafterbeschluss
GWV Pkw, Privatnutzung 450,00 € 45.000 € × 1 %
GWV Pkw, Fahrten zur Arbeit 270,00 € 45.000 € × 0,03 % × 20 km
Gesamtvergütung (steuerpflichtig) 9.220,00 € Bemessungsgrundlage Lohnsteuer
SV-Beiträge AN 0,00 € SV-freier GGF
SV-Beiträge AG 0,00 € SV-freier GGF
AG-Zuschuss private KV 0,00 € kein Anspruch nach §257 SGB V, freiwillig gezahlt steuerpflichtig
Ersparnis GmbH vs. AN-Abrechnung ca. 1.500 € keine AG-Anteile RV, ALV, KV, PV (bis zur BBG 2026)

Im Vergleich zu einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer mit gleichem Bruttogehalt spart die GmbH durch den SV-freien Status des Gesellschafter-GF rund 1.500 Euro pro Monat an Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung (Renten- und Arbeitslosenversicherung bis 8.450 Euro, Kranken- und Pflegeversicherung bis 5.812,50 Euro, ohne Umlagen). Die Ersparnis hält allerdings nur, wenn der SV-Status dokumentiert ist.

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Häufige Fehler in DATEV

Wer einen Geschäftsführer schon einmal falsch angelegt hat, weiß, wie lange die Korrektur dauert. Hier die drei häufigsten Fehler. Sie sind auch der Grund, warum viele GmbHs ihre GF-Abrechnung outsourcen:

1. Falsche SV-Schlüssel

Der Gesellschafter-GF wird wie ein normaler Arbeitnehmer mit regulären SV-Schlüsseln angelegt. DATEV berechnet dann entweder SV-Beiträge, die gar nicht anfallen, oder der Fehler fällt erst bei der Betriebsprüfung auf, weil die Meldungen an die Einzugsstelle falsch sind. Korrekt ist der Schlüssel 90 für Personen, die nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen.

2. AG-Zuschuss KV wird steuerfrei abgerechnet

Zahlt die GmbH dem SV-freien Gesellschafter-GF einen Zuschuss zur Krankenversicherung, wird er oft als steuerfreier Zuschuss nach §3 Nr. 62 EStG angelegt. Die Steuerfreiheit setzt eine gesetzliche Pflicht voraus, und die besteht beim SV-freien GF nicht. Bei einer Lohnsteuer-Außenprüfung wird die Lohnsteuer nachgefordert.

3. Tantieme ohne vorherigen Beschluss

Die Gesellschafterversammlung entscheidet im Dezember spontan, dem GF "dieses Jahr noch etwas Gutes zu tun". Ohne vorherigen Beschluss vor dem Wirtschaftsjahr ist das steuerrechtlich eine verdeckte Gewinnausschüttung. Der Schaden: Körperschaftsteuer + Solidaritätszuschlag auf GmbH-Ebene und Kapitalertragsteuer auf GF-Ebene statt Lohnsteuer.

Häufige Fragen

Ja. Ohne wirksamen Gesellschafterbeschluss vor der ersten Auszahlung liegt steuerrechtlich eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) vor. Das Gehalt wird dann der GmbH als Betriebsausgabe gestrichen und beim Gesellschafter-GF als Kapitalertrag besteuert, mit 25 % Abgeltungsteuer statt der regulären Lohnsteuer. Eine nachträgliche Genehmigung heilt den Fehler nicht.

Ein Fremdgeschäftsführer ohne GmbH-Anteil ist sozialversicherungspflichtig wie ein normaler Arbeitnehmer, volle SV-Beiträge für AG und AN. Ein Gesellschafter-GF mit mehr als 25 % Anteil (Sperrminorität) gilt in der Regel als selbstständig und ist SV-frei. In DATEV werden unterschiedliche Beschäftigungsschlüssel verwendet. Beim SV-freien GGF gibt es weder U1/U2-Erstattung noch Kurzarbeitergeld.

Die Tantieme unterliegt der Lohnsteuer im Jahr des Zuflusses (Zuflussprinzip). Voraussetzung ist ein konkreter Gesellschafterbeschluss vor dem Geschäftsjahr, für das die Tantieme gewährt wird. Nachträgliche Tantiemen ohne vorherigen Beschluss gelten als verdeckte Gewinnausschüttung. Die Fünftelregelung nach §34 EStG gilt für eine Jahrestantieme nicht, sie setzt „Vergütungen für mehrjährige Tätigkeiten“ voraus.

Nicht aus einer Pflichtversicherung. SV-freie Gesellschafter-GF sind in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht pflichtversichert. Sie können sich dort freiwillig versichern oder privat, ob dann Krankengeld gezahlt wird, hängt von der gewählten Absicherung ab. Einen Anspruch auf den AG-Zuschuss nach §257 SGB V hat er nicht, die Vorschrift gilt nur für Beschäftigte. Zahlt die GmbH freiwillig einen Zuschuss, ist er steuerpflichtiger Arbeitslohn.

Eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) liegt vor, wenn die GmbH einem Gesellschafter-GF Leistungen gewährt, die einem fremden Dritten nicht gewährt worden wären, etwa ein überhöhtes Gehalt ohne vorherigen Beschluss, eine nachträgliche Tantieme oder Pkw-Nutzung ohne schriftliche Vereinbarung. Das Finanzamt streicht die Betriebsausgabe bei der GmbH und besteuert den Vorteil beim Gesellschafter als Kapitalertrag (Abgeltungsteuer 25 %). Rechtsgrundlage ist die ständige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs.

Tino Werner, HR- & Payroll Manager
Tino Werner Geschäftsführer
HR- & Payroll Manager · Lohnklar

Tino betreut Payroll-Mandate für GmbHs, Startups und KMU. Gesellschafter-GF-Abrechnungen, Statusfeststellungsverfahren und Tantieme-Gestaltungen gehören zu seinem Arbeitsalltag.

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